Die FAZ sagt: Kinder wollen überwacht werden!

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat gestern einen Kommentar veröffentlicht, in dem der Autor Daniel Deckers sinngemäß behauptet, Kinder wollten online überwacht werden, aber niemand würde für sie diesen Wunsch vertreten:

Kinder ohne Lobby – FAZ Politik, 5.12.2023

In ganz Europa kommt der Kinderschutz nicht voran, weil die Bundesregierung in Brüssel seit Jahren den Versuch der EU-Kommission hintertreibt, das Internet und vor allem die Chats einer effektiven Kontrolle zu unterwerfen. Kinder haben halt keine Lobby, ************** in Gestalt von Netzaktivisten, Digitalpolitikern, Bürgerrechtlern und Datenschützern schon.

Die Bezeichnung, mit der Daniel Deckers uns als Aktivist*innen hier betitelt, soll hier mal erst nicht Thema sein.

Aber Herr Deckers scheint ernsthaft zu glauben, dass Kinder sich wünschen, in Chats dauerhaft überwacht zu werden, und dass ihnen eine Lobby fehlt, also Vertreter*innen, die diesen Wunsch in der Politik vertreten.

Um was es bei der Chatkontrolle geht, warum sich so viele dagegen wehren und wie wir Kinder stattdessen schützen wollen, könnt ihr beim Bündnis Chatkontrolle STOPPEN nachlesen.

Sagt der FAZ eure Meinung!

Herr Deckers und die FAZ sollten erfahren, wie Kinder wirklich denken. Dafür haben Zeitungen die Möglichkeit, Leserbriefe anzunehmen, die die Redaktion liest und die meistens auch veröffentlicht werden. Deshalb habe ich zwei Vorschläge an euch:

  • Wenn ihr dagegen seid, dass zu eurem Schutz vorsorglich eure Chats überwacht werden, dann schreibt der FAZ einen Leserbrief.
  • Wenn ihr dafür seid, dass zu eurem Schutz vorsorglich eure Chats überwacht werden, dann schreibt der FAZ einen Leserbrief.

Hier könnt ihr einen Leserbrief an die Redaktion schreiben

Wenn ihr das gerne machen wollt, aber Fragen dazu habt oder Hilfe braucht, dann meldet euch hier oder im Chat :blush:.

Eure Leserbriefe dürft ihr nach dem Absenden gerne auch hier posten.

Ich hab heute den Leserbrief an die FAZ geschrieben. Für die, die es interessiert:

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Herr Deckers

ich habe letztens Ihren Artikel “Kinder ohne Lobby”. Als 15-Jähriger fühle ich mich angesprochen und möchte mich auch kurz dazu äußern:

Die Chatkontrolle, also das Scannen von privaten Nachrichten, finde ich extrem gefährlich und, vorsichtig formuliert, übergriffig. Kinder zu schützen ist natürlich sehr wichtig, aber dafür gibt es viel besser geeignete und effektivere Methoden, Prävention zum Beispiel.

Ich befürchte, dass durch die Chatkontrolle extrem viele Fälle von vermutete Kinderpornographie zu schnell eskalieren. Eine Software kann nicht erkennen, in welchem Kontext eine Nachricht geschrieben ist und sie daher auch nicht einordnen. Das kann man gut mit der momentanigen Situation vergleichen: Seit die GroKo 2021 den Besitz von Kinderpornographie vom Vergehen zum Verbrechen hochgestuft hat, dürfen Verfahren deswegen nicht mehr eingestellt werden und jeder noch so kleine Fall, wie z.B. wenn Eltern Nacktfotos aus Klassenchats an die Schule schicken um sie darauf aufmerksam zu machen und den Vorfall zu klären, muss zwingend vor Gericht (mit entsprechender Strafe und Eintragung ins Führungszeugnis). Dadurch werden die Behörden überlastet und es werden Leute beschäftigt, die man für die wirklich wichtigen Fälle bräuchte.
Da das natürlich nicht Sinn der Übung sein kann, plant die Ampel, diese Änderung zurückzunehmen.

Aber auch bei CSAR werden wieder exakt diese Vorfälle auf den Tischen der Strafverfolger landen: Die angesprochene Eltern und Lehrer, aber auch Kinder und Jugendliche selber (2022 waren laut PKS ca. 40% aller Tatverdächtigen von Jugendpornographie selber Jugendliche, fast so viele wie Erwachsene). Und das wegen Dingen, die zwar unbedingt geklärt und verhindert werden müssen, aber eher durch Prävention und persönliche Gespräche als durch Gerichte und Polizei.

Ganz abgesehen davon: Wenn ich mit meinem Freund schreibe, dann hat das (erstmal) auch exakt diesen einen Freund etwas anzugehen, sonnst niemanden. Außerdem muss ich mich auch darauf verlassen könnten, dass das dann auch nur er lesen kann, andernfalls könnte ich mit ihm privat nur das bereden was ich auch dem Rest der Welt erzählen würde.
Und wenn ich schon so stark darauf bestehe/angewiesen bin, will ich gar nicht wissen wie das mit den Menschen in den nicht ganz so demokratieversessenen europäischen Staaten ist.
Denn wer solche Überwachungsstrukturen einmal aufbaut, darf sich nicht darauf verlassen, dass das keine Trittbrettfahrer anzieht.

Mit freundlichen Grüßen,
Robert Seimetz

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